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Rooibos – Inhaltsstoffe & Pflanzenchemie

Was in Rooibos steckt, was die Verarbeitung verändert und was davon in der Tasse ankommt.

In einer Tasse Rooibos steckt ein Teil der südafrikanischen Pflanze Aspalathus linearis. Beim Aufgießen gehen wasserlösliche Bestandteile aus den getrockneten Blättern und feinen Stängeln in das Getränk über. Dazu gehören verschiedene Polyphenole – pflanzliche Verbindungen, zu denen auch das für Rooibos charakteristische Aspalathin zählt.

Welche Stoffe in welchen Mengen in der Tasse ankommen, hängt von mehreren Dingen ab: vom Pflanzenmaterial, seiner Verarbeitung und der Zubereitung. Besonders deutlich wird das beim Vergleich von grünem und rotem Rooibos. Beide stammen von derselben Pflanzenart, entwickeln durch die Verarbeitung aber unterschiedliche Inhaltsstoffprofile.


Welche Inhaltsstoffe enthält Rooibos?

Wissenschaftlich interessieren vor allem die phenolischen Pflanzenstoffe des Rooibos. Viele davon gehören zur großen Familie der Polyphenole. Hinter diesem Sammelbegriff stehen zahlreiche unterschiedliche Verbindungen, keine einzelne Substanz mit einer einheitlichen Wirkung.

Daneben enthält Rooibos mineralische Bestandteile. Ihr bloßer Nachweis sagt allerdings noch wenig darüber aus, welchen Beitrag ein fertiger Aufguss zur Ernährung leistet. Dafür kommt es auf die tatsächlich enthaltene Menge an.

Die Tabelle lässt sich auf kleinen Bildschirmen seitlich verschieben.

Wichtige Stoffgruppen im Rooibos
Stoffgruppe Beispiele in Rooibos Was daran interessant ist
Dihydrochalcone Aspalathin, Nothofagin Charakteristische Pflanzenstoffe, deren Gehalte sich durch Oxidation deutlich verändern können.
Flavone Orientin, Isoorientin, Vitexin, Isovitexin Bestandteile des Polyphenolprofils von grünem und rotem Rooibos.
Flavonolglykoside Rutin, Hyperosid, Isoquercitrin Weitere Flavonoide, bei denen ein Zuckerbaustein an das Molekül gebunden ist.
Phenolische Säuren Beispielsweise Ferulasäure Ergänzen das Spektrum der phenolischen Verbindungen.
Mineralische Bestandteile Beispielsweise Kalium, Magnesium und Calcium Für ihre ernährungsphysiologische Einordnung zählt die Menge im fertigen Getränk.

Eine Untersuchung von 114 roten Rooibosproben zeigt, wie vielfältig dieses Profil ist: Neben Aspalathin wurden unter anderem Orientin, Isoorientin und verschiedene weitere phenolische Verbindungen bestimmt. Die Gehalte schwankten zwischen den untersuchten Proben erheblich. Eine einzige Inhaltsstoffzahl kann deshalb nicht jeden Rooibos beschreiben.

Quelle: Joubert und Mitarbeitende, 2012: Inhaltsstoffprofil und Schwankungen roter Rooibosaufgüsse .


Aspalathin – ein charakteristischer Pflanzenstoff des Rooibos

Aspalathin gehört zu den Dihydrochalconen, einer Untergruppe der Flavonoide. Der ungewohnte Name bezeichnet eine bestimmte chemische Struktur. Für das Verständnis von Rooibos ist zunächst etwas anderes entscheidend: Aspalathin reagiert empfindlich auf Oxidation.

Deshalb eignet sich dieser Stoff besonders gut, um den Unterschied zwischen grünem und rotem Rooibos zu erklären. In grünem Rooibos bleibt typischerweise deutlich mehr Aspalathin erhalten. Bei der Herstellung von rotem Rooibos wird ein großer Teil umgewandelt.

Aspalathin wird außerdem untersucht, weil es in chemischen und biologischen Versuchssystemen interessante Eigenschaften zeigt. Daraus entsteht Forschung zu möglichen Mechanismen im Organismus. Ein höherer Aspalathingehalt allein belegt jedoch weder einen größeren gesundheitlichen Nutzen noch eine grundsätzlich bessere Qualität des Getränks.

Und welche Rolle spielt Nothofagin?

Nothofagin ist mit Aspalathin chemisch verwandt und gehört ebenfalls zu den Dihydrochalconen. Auch sein Gehalt kann während der Verarbeitung stark abnehmen.

Beide Stoffe helfen Forschenden dabei, Veränderungen im Rooibos analytisch nachzuvollziehen. Rooibos besteht aber aus einem Zusammenspiel vieler Verbindungen. Wer ausschließlich auf Aspalathin und Nothofagin schaut, übersieht einen Teil dieses Profils.

Quelle: Walters und Mitarbeitende, 2017: Analytik der Veränderungen während der Rooibosverarbeitung .


Was verändert sich zwischen grünem und rotem Rooibos?

Nach der Ernte beginnt eine entscheidende Phase. Durch das Schneiden und Bearbeiten des Pflanzenmaterials werden Zellstrukturen verletzt. Pflanzenstoffe kommen miteinander und mit Sauerstoff in Kontakt; Umwandlungsreaktionen setzen ein.

Bei rotem Rooibos wird dieser Prozess gezielt zugelassen. In der traditionellen Herstellung heißt er „Fermentation“. Für die Veränderung der Polyphenole ist dabei vor allem die Oxidation unter Beteiligung pflanzeneigener Enzyme wichtig. Eine experimentelle Untersuchung von Agricultural Research Council und Stellenbosch University hat diese Enzymbeteiligung bestätigt.

Quelle: De Beer und Mitarbeitende, 2019: Enzymbeteiligung und Reaktionsverlauf bei simulierter Rooibosfermentation .

Bei grünem Rooibos wird die ausgeprägte Oxidation durch eine entsprechend rasche Verarbeitung und Trocknung begrenzt.

Die Tabelle lässt sich auf kleinen Bildschirmen seitlich verschieben.

Grüner und roter Rooibos: Verarbeitung und Inhaltsstoffprofil
Merkmal Grüner Rooibos Roter Rooibos
Verarbeitung Oxidation wird möglichst begrenzt. Oxidation prägt die Herstellung.
Aspalathin und Nothofagin Typischerweise stärker erhalten. Durch Umwandlung meist deutlich geringere Gehalte.
Weitere phenolische Verbindungen Eigenes, vom Ausgangsmaterial und der Verarbeitung abhängiges Profil. Verändertes Profil mit verbleibenden und während der Verarbeitung gebildeten Verbindungen.
Einordnung Weniger oxidierte Form derselben Pflanze. Durch Oxidation entstandene Form mit eigenständigem Charakter.

Die Veränderung lässt sich deshalb nicht auf „mehr oder weniger Inhaltsstoffe“ reduzieren. Einige Verbindungen nehmen ab, andere entstehen oder verändern ihren Anteil.

Wie entsteht dabei die rote Farbe?

Die Farbbildung umfasst mehrere chemische Reaktionswege. In Modellversuchen konnten Forschende zeigen, wie bei der Oxidation von Aspalathin zunächst farblose Zwischenprodukte und anschließend farbige Strukturen entstehen. Auch nichtenzymatische Reaktionen tragen zu diesem Geschehen bei.

Quelle: Heinrich, Willenberg und Glomb, 2012: Chemie der Farbbildung bei Rooibos .

Der sichtbare Farbton ist jedoch keine Inhaltsstoffanalyse. Aus einem rötlichen Blattstück oder einer dunkleren Tasse lässt sich kein bestimmter Aspalathingehalt ablesen.

Wer die Herstellung genauer kennenlernen möchte, findet hier den nächsten Schritt: Wie Rooibos verarbeitet wird .


Warum keine Ernte genau der anderen gleicht

Rooibos ist ein pflanzliches Lebensmittel. Seine Zusammensetzung entsteht während des Wachstums und verändert sich anschließend durch Ernte und Verarbeitung.

Wie groß Unterschiede selbst innerhalb einer Herkunft sein können, zeigt eine Untersuchung von De Beer, Miller und Joubert: In 47 grünen Rooiboschargen derselben Plantage wurden unterschiedliche Aspalathingehalte gemessen. Die Herkunft allein legt die Zusammensetzung einer Charge also nicht vollständig fest.

Quelle: De Beer, Miller und Joubert, 2017: Saisonale und chargenbedingte Unterschiede bei grünem Rooibos .

Das macht den Blick auf die Erzeuger interessant. Wann wird geerntet? Wie wird das frische Material behandelt? Wie wird getrocknet? Solche Fragen verbinden Pflanzenchemie mit der Arbeit auf der Farm.

Bei unseren Farmmarken möchten wir diese Verarbeitung nachvollziehbar machen. Einen Einblick in die Menschen und den Ursprung gibt das Porträt von Skimmelberg .

Aus Herkunft oder handwerklicher Verarbeitung allein lässt sich allerdings kein bestimmter Polyphenolgehalt ableiten. Dafür wäre eine Analyse des jeweiligen Materials erforderlich.


Von der trockenen Pflanze in die Tasse

Eine Inhaltsstoffangabe ist erst dann verständlich, wenn klar ist, was untersucht wurde.

Drei Angaben können denselben Stoff betreffen und trotzdem etwas völlig Unterschiedliches beschreiben:

  • Milligramm pro Gramm Pflanzenmaterial: Wie viel wurde im untersuchten trockenen Rooibos bestimmt?
  • Milligramm pro Tasse: Welche Menge befindet sich nach einer bestimmten Zubereitung im Getränk?
  • Prozent im Trockenextrakt: Welchen Anteil hat der Stoff an einem hergestellten Extrakt?

Diese Werte lassen sich nicht unmittelbar gegeneinander austauschen. Beim Aufgießen geht nur ein Teil der Pflanzenbestandteile in das Wasser über. Die verwendete Rooibosmenge, Temperatur, Ziehzeit und Beschaffenheit des Materials beeinflussen die Extraktion.

Eine Studie mit grünen und roten Rooiboschargen zeigte, dass unterschiedliche Zubereitungsverfahren sowohl die extrahierten Mengen als auch das gemessene phenolische Profil verändern können.

Quelle: Damiani und Mitarbeitende, 2019: Einfluss unterschiedlicher Zubereitungsweisen auf Rooibosaufgüsse .

Auch ein Pflanzenpulver und ein löslicher Extrakt sind unterschiedliche Lebensmittelrohstoffe: Beim Pulver wird das gemahlene Pflanzenmaterial verwendet; ein Extrakt enthält die bei seiner Herstellung herausgelösten Bestandteile. Bei Instantprodukten können weitere Zutaten hinzukommen. Deshalb gehören Produktform, Zusammensetzung und Dosierung immer zur Einordnung einer Inhaltsstoffangabe.


Welche Mineralstoffe enthält ein Rooibosaufguss?

In Rooibos lassen sich verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente nachweisen, darunter Kalium, Magnesium, Calcium, Eisen und Zink. Entscheidend ist jedoch, welche Mengen davon im fertigen Aufguss enthalten sind.

Analysen von Trockenmaterial und Aufgüssen zeigen, dass sich deren Mineralstoffprofile unterscheiden. Die Untersuchung von Olivier und Mitarbeitenden ordnet den Beitrag der untersuchten Rooibosaufgüsse zur Mineralstoffversorgung als begrenzt ein.

Quelle: Olivier und Mitarbeitende, 2012: Mineralstoffe in Pflanzenmaterial und fertigen Teeaufgüssen .

Rooibos ist deshalb nicht pauschal als mineralstoffreiches Getränk einzuordnen. Eine lange Liste nachgewiesener Elemente kann einen größeren Ernährungsbeitrag vermuten lassen, als die Mengen pro Tasse tatsächlich ergeben.

Für belastbare Zahlen müssen außerdem Zubereitung und Untersuchungsbedingungen bekannt sein. Auch das verwendete Wasser gehört dazu. Angaben aus einer Untersuchung mit deionisiertem Wasser beschreiben andere Bedingungen als die Zubereitung mit mineralhaltigem Trinkwasser.


Was bedeutet „antioxidativ“ im Labor?

Polyphenole können in chemischen Testsystemen mit bestimmten reaktionsfähigen Verbindungen reagieren. Solche Versuche helfen, Stoffe und Proben unter festgelegten Bedingungen zu vergleichen.

Ein Messwert beantwortet damit eine konkrete Laborfrage. Er zeigt nicht unmittelbar, was nach dem Trinken im menschlichen Körper geschieht.

Dazwischen liegen mehrere Schritte: Bestandteile müssen aus dem Lebensmittel freigesetzt werden, können aufgenommen und anschließend umgewandelt werden. Im Organismus treten deshalb teilweise andere Verbindungen auf als in der ursprünglichen Tasse.

Kleine Humanstudien haben die Aufnahme und Umwandlung von Rooibosbestandteilen untersucht. Dabei wurden beispielsweise Stoffwechselprodukte im Urin nachgewiesen. Ein solcher Nachweis belegt die Verarbeitung eines Stoffes im Körper, aber noch keinen bestimmten gesundheitlichen Nutzen.

Quelle: Stalmach und Mitarbeitende, 2009: Aufnahme und Stoffwechselprodukte nach dem Trinken von Rooibos .

In einer weiteren kleinen Humanstudie zeigte sich trotz nachgewiesener Rooibosbestandteile keine signifikante Erhöhung der antioxidativen Plasmakapazität im verwendeten Test. Das verdeutlicht, weshalb Laboraktivität, Aufnahme und gesundheitliche Wirkung getrennte Forschungsfragen bleiben.

Quelle: Breiter und Mitarbeitende, 2011: Bioverfügbarkeit und antioxidative Messwerte beim Menschen .


Rooibos weiter entdecken

Die Inhaltsstoffe erzählen einen Teil der Geschichte des Rooibos: Sie verbinden die lebende Pflanze mit der Verarbeitung und dem fertigen Getränk.

Von hier aus führen unterschiedliche Fragen weiter:

Grüner und roter Rooibos

Wie unterscheiden sich Herstellung, Farbe und Geschmack – und weshalb kann auch grüner Rooibos unterschiedliche Farbtöne zeigen?

Was die Wissenschaft untersucht

Welche Fragen verfolgen die Forschungsteams in Stellenbosch und anderen Einrichtungen? Welche Ergebnisse stammen aus dem Labor, welche aus Untersuchungen beim Menschen?

Rooibos und die Lebensmittelmatrix

Was verändert sich, wenn Rooibos als Aufguss, Extrakt oder Pulver verwendet und mit anderen Zutaten kombiniert wird?

Farmen und Menschen

Wer baut Rooibos an und verarbeitet ihn? Die Porträts von Skimmelberg und Ouhuis führen zu den Menschen hinter unseren Farmmarken.