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Rooibos – Was die Wissenschaft untersucht

Von Pflanzenstoffen und Aromaprofilen bis zu Darmforschung und Untersuchungen am Menschen.

Was erforscht die Wissenschaft an Rooibos? Forschende untersuchen, welche Stoffe die südafrikanische Pflanze Aspalathus linearis bildet, wie Anbau und Verarbeitung ihre Zusammensetzung verändern und welche biologischen Vorgänge Rooibosbestandteile in Experimenten beeinflussen können. Außerdem wird untersucht, was nach dem Trinken tatsächlich im menschlichen Körper messbar ist.

Das sind unterschiedliche Fragen – und sie brauchen unterschiedliche Untersuchungen. Besonders spannend ist, wie eine Entdeckung zur nächsten führt: Ein Pflanzenstoff wird im Blatt nachgewiesen, verändert sich bei der Verarbeitung und kann anschließend in Zellmodellen, bei Mikroorganismen oder in einer Studie mit Menschen untersucht werden.

Die Pflanze verstehen

Was macht Rooibos chemisch und geschmacklich besonders? Was verändern Ernte, Oxidation und Lagerung?

Biologische Vorgänge prüfen

Wie reagieren Zellen, Darmgewebe oder Mikroorganismen unter genau festgelegten Versuchsbedingungen?

Den Menschen untersuchen

Welche Stoffe oder Veränderungen sind nach dem Konsum messbar – und wie belastbar sind die Ergebnisse?


Warum interessiert sich die Wissenschaft überhaupt für Rooibos?

Rooibos ist für Forschende aus mehreren Gründen interessant. Die Pflanze wächst in einer durch Sonne, Trockenheit und saisonale Unterschiede geprägten Landschaft. Ihr Stoffwechsel erzeugt ein charakteristisches Gemisch aus Polyphenolen. Besonders Aspalathin gilt als ungewöhnlicher Bestandteil des Rooibos. Die ausgeprägte Oxidation bei der Herstellung des roten Rooibos verändert dieses Stoffprofil deutlich.

Gleichzeitig wird Rooibos seit Langem als Getränk genutzt. Damit stellt sich nicht nur die pflanzenchemische Frage „Was steckt darin?“, sondern auch: „Was verändert sich beim Herstellen und Aufgießen – und was geschieht nach dem Trinken?“

Die wissenschaftliche Kernidee: Dass ein Stoff im Rooibosblatt nachweisbar ist und im Labor antioxidative Eigenschaften zeigt, ist eine wichtige Entdeckung. Ob daraus eine bestimmte Wirkung beim Menschen folgt, ist eine weitere Forschungsfrage – nicht bereits die Antwort.

Wie Pflanzen selbst antioxidative Schutzsysteme nutzen und warum sich wildwachsende Rooibospopulationen chemisch unterscheiden können, erläutern wir ausführlicher auf der Wissensseite „Rooibos – Inhaltsstoffe und Pflanzenchemie“.

Wie untersucht man Rooibos – und was sagt eine Studie tatsächlich aus?

Die Aussagekraft eines Ergebnisses hängt zunächst davon ab, was überhaupt untersucht wurde. Ein Messwert aus dem Labor beantwortet eine andere Frage als eine Untersuchung von Darmzellen oder ein Versuch mit Menschen.

Forschungsansätze und ihre Aussagegrenzen
ForschungsansatzWas wird untersucht?Was lässt sich daraus ableiten?
Chemische AnalytikAspalathin und andere Inhaltsstoffe in Blättern, Aufgüssen oder Extrakten.Welche Stoffe und Mengen die untersuchten Proben enthalten – nicht automatisch, was sie im Körper bewirken.
Sensorik und LebensmitteltechnologieGeschmack, Farbe, Oxidation, Rezeptur, Feuchtigkeit oder Lagerung.Wie sich definierte Verarbeitungsschritte auf Qualität und Haltbarkeit auswirken.
Zell- und MikroorganismenversucheReaktionen bestimmter Zellen, Enzyme oder Bakterienkulturen auf Stoffe und Extrakte.Mögliche biologische Mechanismen unter Laborbedingungen.
TiermodelleVorgänge in einem lebenden Organismus unter experimentell erzeugten Bedingungen.Hinweise auf Mechanismen, die beim Menschen gesondert geprüft werden müssen.
HumanstudienMessbare Veränderungen nach einer definierten Einnahme bei Freiwilligen.Ergebnisse für die untersuchte Gruppe und Situation; für allgemeine Aussagen braucht es ausreichend gute, wiederholte Studien.
Systematische ÜbersichtenMehrere veröffentlichte Studien anhand festgelegter Kriterien.Wie belastbar der Forschungsstand insgesamt ist und welche Lücken bestehen.

Im Folgenden stellen wir einige konkrete Arbeiten vor. Nicht, um aus einzelnen Studien ein Gesundheitsversprechen abzuleiten, sondern um zu zeigen, welche Fragen Rooibosforschende stellen und was sie dabei tatsächlich beobachten.


Was weiß man bisher über Rooibos beim Menschen?

Es gibt Untersuchungen am Menschen, aber noch keine ausreichend einheitliche Studienlage für allgemeine gesundheitliche Wirkungsversprechen. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 berücksichtigte acht Studien mit insgesamt 175 Teilnehmenden. Untersucht wurden unter anderem Blut- und Urinwerte sowie bestimmte physiologische Messgrößen.

In fünf der acht Studien wurden für mindestens einzelne untersuchte Größen statistisch signifikante Ergebnisse berichtet. Die Studien verwendeten jedoch unterschiedliche Rooiboszubereitungen, Mengen, Laufzeiten und Messmethoden. Die Autorinnen und Autoren kamen deshalb zu dem Schluss, dass die Daten für eine zuverlässige allgemeine Aussage zu gesundheitlichen Vorteilen noch nicht ausreichen.

Warum das interessant ist: Die Forschung beginnt beim Menschen nicht bei null. Es gibt messbare Beobachtungen. Die Herausforderung besteht darin herauszufinden, welche Ergebnisse sich in größeren, gut vergleichbaren Untersuchungen bestätigen lassen. Quelle: Systematische Übersichtsarbeit, Beverages (2024).

Was fanden Forschende nach dem Trinken von grünem Rooibos?

Eine Humanstudie von Breiter und Mitarbeitenden (2011) ging einer besonders anschaulichen Frage nach: Was lässt sich nach dem Konsum von grünem Rooibos in Blut und Urin wiederfinden?

Zwölf gesunde Männer erhielten in einem sogenannten Crossover-Versuch verschiedene Zubereitungen aus unoxidiertem Rooibos beziehungsweise eine Vergleichszubereitung. Über einen Zeitraum von bis zu 24 Stunden untersuchten die Forschenden Blut- und Urinproben. Sie fanden unter anderem Umwandlungsprodukte von Aspalathin und Nothofagin im Urin; unveränderte Rooibosflavonoide waren im Blut nur in Spuren nachweisbar.

Bemerkenswert war ein zweites Ergebnis: Mit dem verwendeten ORAC-Test ließ sich kein signifikanter Anstieg der antioxidativen Kapazität im Blutplasma nachweisen. Das bedeutet nicht, dass alle biologischen Wechselwirkungen ausgeschlossen wären. Es zeigt vielmehr, dass sich ein hoher antioxidativer Messwert des Ausgangsmaterials nicht einfach auf den menschlichen Körper übertragen lässt.

Was diese Studie zeigt: Nach dem Trinken lassen sich bestimmte Rooibosbestandteile beziehungsweise ihre Stoffwechselprodukte nachweisen. Ob und in welcher Form daraus ein gesundheitlicher Nutzen entsteht, beantwortet dieser Nachweis noch nicht.

Quelle: Breiter et al. (2011), Food Chemistry – Bioverfügbarkeit und antioxidative Messgrößen. Die Rolle von Aufguss, Extrakt, Verdauung und Aufnahme vertiefen wir auf der vorgesehenen Seite „Rooibos und die Lebensmittelmatrix“.


Warum wird Rooibos in der Darmforschung untersucht?

Der Darm ist nicht nur für die Aufnahme von Nährstoffen zuständig. Seine Oberfläche bildet auch eine Barriere zwischen Darminhalt und Körper. Forschende interessiert deshalb, ob Pflanzenextrakte Vorgänge an dieser Oberfläche beeinflussen können.

Lesha Pretorius und Carine Smith von der Stellenbosch University untersuchten grünen Rooibos in zwei Modellen mit Zebrafischlarven (Veröffentlichung 2024). In einem Modell wurden Veränderungen der Darmschleimhaut experimentell ausgelöst; im anderen ging es um die Beweglichkeit des Darms.

Unter den Versuchsbedingungen zeigte ein wässriger grüner Rooibosextrakt Veränderungen bei Messgrößen der Darmbarriere, darunter den Verbindungsproteinen ZO-1 und Occludin. Außerdem verringerte der Extrakt bestimmte experimentell hervorgerufene Störungen der Darmbeweglichkeit.

Die Beobachtung eröffnet eine Forschungsfrage: Können Pflanzenstoffe bereits an der Darmoberfläche mit biologischen Prozessen wechselwirken? Die Studie untersuchte Zebrafischlarven und keinen Rooiboskonsum bei Menschen mit Darmerkrankungen.

Quelle: Pretorius & Smith (2024), Journal of Ethnopharmacology.

Welche Rolle spielen Darmmikroorganismen in der Forschung?

Darmmikroorganismen können Nahrungsbestandteile umwandeln und dabei selbst Stoffwechselprodukte bilden. Eine Stellenbosch-Forschungsgruppe untersuchte deshalb, wie ausgewählte Mikroorganismenkulturen auf grüne und oxidierte Rooibosextrakte reagieren.

Pretorius und Mitarbeitende (2022) beobachteten in den untersuchten Kulturen Veränderungen des Wachstums und der Freisetzung bestimmter Amine. Unter anderem stieg die gemessene Putrescinbildung, während die Tryptaminbildung zurückging. Die Reaktionen unterschieden sich je nach Rooiboszubereitung.

Der interessante Punkt liegt in der Wechselwirkung zwischen Pflanzenmaterial und Mikroorganismen. Es handelte sich jedoch um Kulturversuche außerhalb des menschlichen Körpers. Die Ergebnisse zeigen weder eine nachgewiesene Veränderung der Darmflora nach Rooiboskonsum noch den Histamingehalt des Getränks.

Quelle: Pretorius et al. (2022), Journal of Ethnopharmacology. Warum Lebensmittel-Histamin und körpereigenes Histamin getrennt betrachtet werden müssen, behandeln wir auf der Wissensseite „Rooibos und Histamin“.

Was untersucht die Forschung an Aspalathin und Mastzellen?

Mastzellen gehören zum Immunsystem. Werden sie aktiviert, können sie Botenstoffe wie Histamin freisetzen. Forschende untersuchen deshalb die Signalwege, über die solche Zellen reagieren – und ob bestimmte Pflanzenstoffe diese Prozesse in Versuchsmodellen verändern.

Kim und Mitarbeitende untersuchten isoliertes Aspalathin in Zellkulturen und Mausmodellen allergischer Entzündungsreaktionen (2025 veröffentlicht, 2024 online erschienen). Sie beobachteten unter anderem eine verminderte Mastzellaktivierung und geringere Histaminfreisetzung unter den untersuchten Bedingungen.

Das ist ein Ergebnis biologischer Grundlagenforschung. Es sagt noch nicht aus, dass das Trinken von Rooibostee bei Allergien oder Histaminintoleranz hilft. Die Untersuchung zeigt aber, warum ein einzelner Rooibospflanzenstoff für die Erforschung zellulärer Signalwege interessant sein kann.

Quelle: Kim et al. (2025), Inflammation.


Forscht man auch über Geschmack, Herstellung und Haltbarkeit?

Ja – ein bedeutender Teil der Rooibosforschung ist Lebensmittelwissenschaft. Hier geht es um Fragen, die der Verbraucher direkt nachvollziehen kann: Warum unterscheiden sich Chargen im Geschmack? Welche Rolle spielen Wärme und Feuchtigkeit? Wie bleibt ein Getränk oder Rooibospulver über die Lagerzeit stabil?

Wie lässt sich Geschmack wissenschaftlich beschreiben?

Dalene de Beer und Mitarbeitende (2024) untersuchten 57 Chargen grünen Rooibos von zwei Verarbeitern aus fünf Produktionsjahren. Aus systematischen Verkostungen entstanden ein Aromarad und ein zweites Rad für die Wahrnehmung beim Trinken. Die Forschenden beschrieben unter anderem Heu, gekochten Hafer, Honig und Karamell sowie ein adstringierendes Mundgefühl. Auch die Veränderungen während der Lagerung wurden untersucht.

Die Aromaräder helfen dabei, wahrnehmbare Unterschiede benennbar zu machen. Das ist Forschung, die unmittelbar für Qualitätsbeurteilung, Erzeuger und Teetrinker nützlich ist.

Quelle: de Beer et al. (2024), Journal of the Science of Food and Agriculture. Die Aromaräder erläutern wir auf unserer Seite „Grüner Rooibos – Aroma, Geschmack und Qualität“.

Warum spielt die Verpackung sogar für Pflanzenstoffe eine Rolle?

Eine weitere Arbeit von de Beer und Mitarbeitenden (2026) untersuchte Rooibos-Eisteepulver aus unterschiedlich zusammengesetzten Extrakten unter beschleunigten Lagerbedingungen. Verglichen wurden unter anderem verschiedene Feuchtigkeiten und Rezepturen. Bei höherer Feuchtigkeit nahm die Stabilität von Aspalathin und Farbe stärker ab; bei niedriger Feuchtigkeit blieben die untersuchten Eigenschaften deutlich stabiler.

Die Erkenntnis ist für Hersteller sehr praktisch: Es genügt nicht, einen hohen Stoffgehalt zu Beginn festzustellen. Auch Verarbeitung, Rezeptur und Verpackung bestimmen mit, wie viel davon bis zum Gebrauch erhalten bleibt.

Quelle: de Beer et al. (2026), Journal of Stored Products Research.

Was lässt sich aus dieser Forschung insgesamt lernen?

Die Rooibosforschung hat bereits zahlreiche Zusammenhänge sichtbar gemacht: bestimmte Pflanzenstoffe lassen sich eindeutig analysieren, Verarbeitung und Lagerung verändern ihre Zusammensetzung, und in experimentellen Modellen sind verschiedene biologische Wechselwirkungen messbar. Auch erste Untersuchungen am Menschen liegen vor.

Die Forschung beantwortet jedoch nicht alle Fragen auf derselben Ebene. Eine Veränderung bei Darmzellen, Mikroorganismen oder im Blut ist zunächst ein konkreter Messbefund. Ob daraus ein wiederholbarer gesundheitlicher Nutzen beim regelmäßigen Rooibostrinken folgt, braucht eigene gut geplante Untersuchungen am Menschen.

Eine offene Frage führt zur nächsten: Wenn Aspalathin im Blatt vorhanden ist – wie viel davon gelangt in die Tasse? Wie verändert die Verdauung den Stoff? Und welche Mengen oder Stoffwechselprodukte erreichen den Körper? Diese Fragen bilden den Schwerpunkt unserer nächsten Wissensseite „Rooibos und die Lebensmittelmatrix“.

Die Wissenschaft entdeckt damit nicht nur mögliche biologische Wirkungen. Sie hilft auch zu verstehen, warum Rooibos je nach Herkunft, Verarbeitung und Produktform so unterschiedlich sein kann – und welche Entscheidungen die Menschen hinter dem Produkt treffen.


Ausgewählte wissenschaftliche Quellen