Mehr zu Honeybush
Honeybush beginnt nicht mit einer modernen Zubereitungsanleitung.
Wenn man heute Tee kauft, liest man meist etwas wie: mit kochendem Wasser übergießen, einige Minuten ziehen lassen, dann trinken. Bei Honeybush führt dieser Einstieg nur begrenzt weiter. In älteren südafrikanischen Beschreibungen erscheint er eher als etwas, das einfach da war: ein Kessel auf dem Herd, ein Tee, der warm gehalten wurde, ein Aufguss, der nicht nach wenigen Minuten beendet war. Im Standardwerk Peoples Plants wird beschrieben, dass in alten Farmhausküchen ein besonderer Kessel dauerhaft auf dem Kohleherd stand, weil langes, sanftes Kochen den Geschmack verbesserte. Dieser Kessel wurde bei Bedarf mit Wasser und frischem Tee ergänzt, damit die gewünschte Stärke erhalten blieb.
Auch andere historische Hinweise passen zu diesem Bild. In der Honeybush-Dokumentation der Stellenbosch University und des ARC wird ein Reisebericht aus dem Jahr 1815 erwähnt: Der englische Geistliche Christian Ignatius Latrobe wurde im Langkloof mit „tea-water“ bewirtet, das als Honeybush gilt, und beschrieb dabei ein ständig gefülltes Aufgussgefäß. Viel später erinnerte sich Dr. Hannes de Lange daran, wie bei Farmbesuchen in Patensie Honeybush auf dem Kohleherd köchelte. Solche Bilder helfen mehr beim Verstehen als jede schnelle Definition. Sie zeigen Honeybush zuerst als Teil des Alltags und nicht als fertiges Marktprodukt.
Ein Tee, der lange regional blieb
Gerade das macht Honeybush so interessant. Der Tee hat eine lange regionale Geschichte, war aber über lange Zeit viel stärker an bestimmte Gegenden gebunden als Rooibos. Frühe Hinweise reichen weit zurück, und doch blieb Honeybush außerhalb der Regionen, in denen die Pflanze natürlich wächst, lange wenig sichtbar. Erst in den 1990er Jahren begann eine systematischere Entwicklung mit Forschung, Pflanzungen, Verarbeitungsarbeit und dem Versuch, Honeybush als eigenständigen Tee breiter bekannt zu machen.
Während Rooibos gedanklich schnell mit dem Cederberg verbunden wird, liegt die Welt des Honeybush weiter südlich und östlich. Das Verbreitungsgebiet der Honeybush-Arten reicht als Bogen von Piketberg bis Gqeberha. Für den Leser reicht vielleicht schon dieses Bild: Honeybush gehört nicht in dieselbe Landschaft wie Rooibos, sondern auf die andere, südlichere und östlichere Seite dieser Pflanzenwelt.
Wie Honeybush schmeckt
Am leichtesten nähert man sich Honeybush vielleicht über den Geschmack.
Schon der Name weist in eine Richtung. Der Name „honeybush“ wird mit dem süßen, honigartigen Duft der Pflanze in Verbindung gebracht, wenn sie mit ihren gelben Blüten in voller Blüte steht. In Peoples Plants ist von einem natürlich süßen Geschmack die Rede. Beschreibungen zur Honeybush-Sensorik sprechen darüber hinaus von floralen, fruchtigen und pflanzlichen Noten, von Süße und einer milden Herbe, die dem Aufguss Körper gibt.
Wer Honeybush zum ersten Mal trinkt, erlebt ihn oft als runder und weicher, als man es bei einem unbekannten Kräutertee vielleicht erwarten würde. Er wirkt nicht streng und nicht scharf. Eher warm, ruhig und begleitet von einer natürlichen Süße. Gerade deshalb versteht man auch, warum er früher nicht nur schnell aufgegossen, sondern über längere Zeit am Herd geführt wurde. Ein solcher Tee passt zu einer anderen Art des Trinkens: weniger punktuell, mehr begleitend. Gleichzeitig ist Honeybush kein starrer Einheitsgeschmack. Je nach Cyclopia-Art verschieben sich die Eindrücke. Manche wirken fruchtiger, andere blumiger, würziger oder pflanzlicher.
Nicht nur eine Pflanze, sondern mehrere
Der Name Honeybush bezeichnet nicht nur eine einzige Pflanze. Er ist ein Sammelname für Tee aus mehreren Cyclopia-Arten. Für den Einstieg ist vor allem wichtig: Honeybush ist kein Fantasiename für einen einzelnen Tee, sondern Teil einer größeren südafrikanischen Pflanzenwelt, in der verschiedene Arten, Regionen und Verarbeitungsweisen eine Rolle spielen.
Das erklärt auch, warum Honeybush nicht so einfach nebenbei verstanden werden kann. Man kann ihn trinken und mögen, ohne diese Hintergründe zu kennen. Aber sobald man genauer hinsieht, wird aus einem angenehm süßlichen Tee etwas Eigenständiges: eine südafrikanische Pflanze mit regionaler Geschichte, unterschiedlichen Arten und einer Entwicklung, die viel langsamer und leiser verlaufen ist als beim Rooibos.
Wild gesammelt – und in einem anderen Tempo geerntet
Ein weiterer Unterschied zu Rooibos liegt im Umgang mit der Pflanze selbst. Honeybush stammt bis heute zu einem großen Teil aus Wildsammlung, auch wenn der kultivierte Anteil wächst. Besonders wichtig ist dabei Cyclopia intermedia, also Bergtee, der in der Wildsammlung eine zentrale Rolle spielt. Honeybush ist also noch immer deutlich stärker mit natürlichen Beständen verbunden, als viele Leser zunächst vermuten würden.
Auch geerntet wird hier nicht in einem einfachen jährlichen Rhythmus. Die Ernterichtlinien für wilden Honeybush arbeiten mit längeren Abständen. Entweder kehrt man nach zwei Jahren auf eine Fläche zurück und schneidet dann nur einen Teil der Pflanzen, oder man arbeitet mit einem Vierjahresrhythmus, bei dem nach vier Jahren Wachstum ein größerer Teil der erntereifen Pflanzen geerntet wird, während kleinere Pflanzen stehenbleiben. In beiden Fällen ist der Grundgedanke derselbe: Die Bestände brauchen Zeit, um wieder auszutreiben, zu blühen, Samen anzusetzen und Reserven aufzubauen. Gerade dieses langsamere Tempo gehört zum Honeybush dazu.
Vom Feld zur Tasse – aber auf eigene Art
Traditionell wurde Honeybush vor allem dann geerntet, wenn die gelben Blüten das Auffinden der Pflanzen erleichterten. In Peoples Plants und in der Honeybush-Dokumentation wird beschrieben, dass Stängel und Blätter zerkleinert, angefeuchtet und anschließend oxidiert wurden, bevor der Tee trocknete. Gerade in dieser Verarbeitung entwickelt Honeybush seinen typischen süßlichen Duft und die warme braune Farbe des fertigen Tees.
Für eine Einstiegsseite muss man das nicht bis ins Detail ausbreiten. Aber es hilft zu verstehen, dass Honeybush nicht nur wegen seines Namens oder seiner Herkunft interessant ist, sondern auch wegen der Art, wie aus einer Fynbos-Pflanze überhaupt ein trinkbarer Tee wird. Bei Honeybush führt der Weg zur Tasse eben nicht nur über eine Standardzubereitung, sondern über Landschaft, Geduld, Verarbeitung und ein anderes Verhältnis zur Pflanze selbst.
Von hier aus weiter
Wer Honeybush von hier aus weiter entdecken möchte, kann in mehrere Richtungen gehen.
Man kann tiefer in die Geschichte von Honeybush einsteigen: in die regionale Nutzung, die frühen Hinweise und die spätere Entwicklung zu einer kleinen, aber eigenständigen Branche. Man kann stärker auf Herkunft und Pflanzenwelt schauen: auf die südlichen und östlichen Fynbos-Landschaften, in denen Honeybush wächst, und auf die Frage, wie er sich von Rooibos, Buchu oder Cancer Bush unterscheidet. Und man kann Honeybush auch ganz praktisch weiter entdecken: über die Produkte im Shop, dann aber nicht mehr nur als unbekannten Namen, sondern mit einem klareren Bild davon, was hinter diesem Tee steht.